15. August 2013: Erfolgsgeschichte Photovoltaik - neuer Solarstrom günstiger als neuer Atomstrom

Deutscher Solarpark: Die Einspeisevergütung für Strom aus großen Solarparks in Deutschland sinkt im Oktober 2013 auf unter zehn Cent pro Kilowattstunde
Deutscher Solarpark: Die Einspeisevergütung für Strom aus großen Solarparks in Deutschland sinkt im Oktober 2013 auf unter zehn Cent pro Kilowattstunde

Im Herbst sinken die Solarstrom-Vergütungen über das EEG unter zehn Cent pro Kilowattstunde. Damit ist Elektrizität aus Photovoltaik erstmals günstiger als aus neuen Atomkraftwerken. Noch vor wenigen Jahren wurde belächelt, wer dies behauptete - für Energiekonzerne wie Eon und RWE wird nun eine Horrorvorstellung Realität.

Tatsächlich verzeichnet ausgerechnet die von Kritikern als teuer und ineffizient gescholtene Elektrizität aus Photovoltaikanlagen derartige Preisrückgänge, dass sie jetzt auch in Mitteleuropa günstiger ist als Atomenergie aus neuen Kraftwerken. Auf 10,9 Cent pro Kilowattstunde taxiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Kosten für Atomstrom. "Aufgrund technischer Unwägbarkeiten und steigender Sicherheitsanforderungen" seien die Kosten für Atomstrom zuletzt explodiert.

Dagegen sinkt die Einspeisevergütung für Strom aus größeren Solarparks in Deutschland im Oktober auf unter zehn Cent pro Kilowattstunde, wie die Bundesnetzagentur in der vergangenen Woche bekannt gegeben hat. Zu diesen Konditionen sind laut Experten immer noch Gewinne möglich - dank der gesunkenen Investitionskosten durch massive Skaleneffekte in der Produktion sowie Effizienzsteigerungen.

Ähnliche Situation in Frankreich - günstige Solarparks im Süden

Auch in unserem Nachbarland Frankreich sind die Kosten für neue Atomkraftwerke zuletzt durch die Decke geschossen. Die Produktion von Solarstrom ist dagegen vor allem im sonnigen Süden noch einmal deutlich günstiger als in Deutschland. Grundlastfähig sind Atomkraftwerke übrigens nur, solange genügend Kühlwasser vorhanden ist - was gerade in den heißen französischen Sommermonaten oftmals nicht der Fall ist.

Aktuelle Bürger-Beteiligungen an Solarparks bei Grüne Sachwerte

Quelle: WiWo Green, Manager Magazin, Grüne Sachwerte

 

Experten sehen "Solarboom 2.0"

In den letzten zehn Jahren gelang es, durch das EEG in Deutschland den größten Markt für Photovoltaikanlagen weltweit zu entwickeln. Die Anfangs den Besitzern über 20 Jahre lang zugestandenen Vergütungen lagen da noch deutlich über den Marktpreisen - wie immer, wenn neue Technologien in den Markt eingeführt werden. Doch heute ist der weitere Ausbau der Photovoltaik vergleichsweise günstig oder bald sogar ohne Vergütung über das EEG möglich. Die großen Energieversorger haben diese Entwicklung (bewusst oder unbewusst) verschlafen, zumindest aber grob falsch eingeschätzt. Umweltschützer und Freunde der Erneuerbaren Energien hingegen haben auf diese Zeit seit längerem gewartet.

"Zig Millionen weitere Dächer mit Solarpaneelen"

Von einem möglichen "Solarboom 2.0" spricht der Energieexperte Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das sonst tendenziell eher die angeblichen Vorteile fossiler Brennstoffe hervorhebt. Hausbesitzer "könnten zig Millionen weiterer Dächer mit Paneelen bedecken", die Folge für die klassischen Energieversorger sei, "dass ihr Absatz an Strom substantiell sinken könnte und sie einige Milliarden Kilowattstunden weniger an Strom im Jahr verkaufen dürften." Würde die deutsche Regierung geeignete Freiflächen freigeben, so ließe sich darauf sogar Strom aus Photovoltaikanlagen für neun Cent die Kilowattstunde erzeugen, so Deutschlands größter Solarprojektierer Belectric.

Quelle: Spiegel online, Grüne Sachwerte e.K.