10. Sept. 2012: Japans Atomausstieg - Wende mit globaler Signalwirkung

Atomausstieg - Japan steigt langsam aus der Atomkraft aus.
Bunter und kreativer Protest gegen Atomkraft - weltweit setzen sich Menschen für einen Ausstieg aus der Risikotechnologie ein.

Bis Fukushima gab es in Japan so gut wie keinen Widerstand gegen den Atomkurs. Das Land galt weltweit als Vorreiter in der Nukleartechnik. Daher hat der jetzt beschlossene Atomausstieg bis zum Jahr 2040 Signalwirkung weit über Japan hinaus.

Kaum ein Land hat so auf Kernenergie gesetzt wie Japan - sowohl was die eigene Stromversorgung betrifft als auch industriepolitisch. Japan gehörte auch zu den Weltmeistern beim Verkauf neuer Atomkraftwerke. Nun hat die japanische Regierung den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Nach spätestens 40 Betriebsjahren sollen die Reaktoren vom Netz, neue  Kernkraftwerke nicht mehr gebaut werden.

Investition in japanische Solarparks - Solarfonds Japan 1

Drittgrößter Stromverbraucher steigt aus Atomkraftnutzung aus

Japan ist nach den USA und China der weltweit drittgrößte Stromverbraucher. Mangels eigener fossiler Energiequellen wie Kohle hatte Japan sehr einseitig auf die Kernenergie gesetzt. Bis zum Reaktorunglück von Fukushima im März 2011 waren mehr als 50 Reaktorblöcke in Betrieb - dabei sogar ein Schneller Brüter -, die etwa ein Drittel des Strombedarfs deckten. Durch den Bau weiterer Reaktorblöcke sollte der Anteil auf mehr als 50 Prozent wachsen. Nach der Katastrophe an der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu mussten aber alle japanischen Reaktorblöcke für Sicherheitsüberprüfungen heruntergefahren werden. Die befürchteten Stromengpässe blieben aus: Erfolgreich übten sich die Japaner im Stromsparen, große Teile des Stroms wurden aber auch ersatzweise mit importiertem Flüssiggas, Öl und Kohle erzeugt.

Nach Fukushima - Sinneswandel in der Bevölkerung

Als im Juni und Juli dieses Jahres die ersten Reaktoren wieder in Betrieb genommen werden sollten, überraschte eine mächtige Widerstandsbewegung Politik und Medien. Tokio erlebte mit mehr als 100.000 Demonstranten die größten Proteste der jüngeren Geschichte Japans. Bis heute laufen nur die westjapanischen Reaktoren Oi-3 und Oi-4, bei allen anderen konnten sich die zuständigen Politiker in den Präfekturen nicht zum Wiederanfahren der Atommeiler durchringen.

Gerade wegen der industriepolitischen Bedeutung der japanischen Nukleartechnik ist der Ausstiegsbeschluss möglicherweise bedeutender als der deutsche. Ein Land, das selbst aus der Atomkraft aussteigt, kann nicht Global-Player der Nuklartechnik sein. Sonne, Wind und Pflanzenenergie sind bei der Stromerzeugung noch eine Randerscheinung, inzwischen wird aber auch in Japan über die Energiewende diskutiert. Seit Juli 2012 kann grüner Strom zu lukrativen Tarifen garantiert ins Netz eingespeist werden. Und es gibt konkrete Pläne für Offshore-Windfarmen und große Solarkraftwerke sowie Überlegungen, auch Erdwärme und Wellenenergie anzuzapfen.

Quelle: Tagesschau.de

Investoren verlieren das Interesse an der Atomkraft

Die Zahl der Reaktorblöcke ist weltweit ebenso rückläufig wie die
Stromproduktion aus Kernkraftwerken. Im Jahr 2011 gingen nur sieben Reaktoren neu ans Netz, während 19 stillgelegt wurden. Gleichzeitig wurde eine nennenswerte Zahl von Neubauvorhaben inzwischen offiziell aufgegeben.
Und auch diejenigen Neubauprojekte, die tatsächlich gebaut werden sollen, kommen allenfalls schleppend voran,  während zugleich die Baukosten explodieren. Und den Ausbauwilligen kommen zunehmend die Investoren abhanden: Die deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE haben sich beispielsweise längst von einst geplanten Projekten in Bulgarien und Großbritannien verabschiedet.