15. April 2015: Ausbau der Windkraft in Frankreich gewinnt an Dynamik

Frankreich - Windkraft auf dem Vormarsch
Frankreich hat in Europa das zweitgrößte Potenzial für Windkraft

Frankreich hat in Europa das zweitgrößte Potenzial für Windkraft und somit allerbeste Voraussetzungen für die auf politischer Ebene geplante Energiewende. Bislang allerdings lief Frankreich lange Zeit den Nachbarn, insbesondere Deutschland, bei der Nutzung der umweltfreundlichen Windkraftgewinnung nur hinterher. Immer noch bezieht das Land drei Viertel seines Strombedarfs aus der Kernkraft, nur knapp 3 Prozent werden von Windkraftanlagen produziert. Rund acht Gigawatt Leistung waren 2013 installiert.

Aktuelle Beteiligung: Windpark Frankreich XVII

Zum Vergleich: Deutschland stand bereits Ende 2013 mit 31 Gigawatt in Europa an der Spitze, und hat allein 2014 wiederum fast 4 Gigawatt an neuer Windkraftkapazität errichtet. Allerdings hat die französische Windbranche kürzlich für das Jahr 2014 mitgeteilt, Windparks mit einer Gesamtleistung von 1.042 Megawatt installiert und in Betrieb genommen zu haben - der Zubau hat sich also nahezu verdoppelt und eine Dynamik ist durchaus spürbar.

Neue ambitionierte Ziele, attraktive Vergütung

Bis 2020 peilt die französische Regierung nun eine installierte Leistung von 20 Gigawatt an, also mehr als doppelt so viel wie derzeit. Um diese für Frankreich durchaus ambitionierten Ziele zu erreichen werden auch die Kompetenz ausländischer Windkraftunternehmen sowie das Kapital privater Investoren benötigt. Wichtige Rahmenbedingung hierbei: Die Nationalversammlung hat kürzlich ein Gesetz zur Energiewende beschlossen, das neben einer Verringerung des Anteils von Atomstrom und Energiesparen auch insgesamt eine intensivere Nutzung erneuerbarer Energien vorsieht.

Vorteil Frankreich: Windparks erhalten jährliche Inflationsanpassung

Für Investoren gibt es somit nicht nur viel Arbeit, sondern auch attraktive Rahmenbedingungen: Die Einspeisevergütung liege nur in geringem Maße unterhalb des Wertes, den man in Deutschland für die Einspeisung der Ökoenergie ins Stromnetz bekommt. Doch während hierzulande die Vergütung für neue Anlagen sinkt, wird sie in Frankreich jährlich um den Inflationsausgleich angepasst und steigt somit tendenziell. Und das gilt - im Gegensatz zu Deutschland, wo sich eine Änderung der Einspeisevergütung nur auf neue Anlagen auswirkt - auch für bestehende Windkraftanlagen. Langfristig gesehen bekommen die Betreiber dadurch mehr Geld ausgezahlt als in Deutschland.

In der Vergangenheit oftmals problematisch: Genehmigungsverfahren

Die neue Gesetzgebung, initiiert insbesondere von der Umweltministerin Segolène Royal, zielt neben günstigen Ökodarlehen besonders auf ein vereinfachtes Ausschreibungssystem und vereinheitlichte Genehmigungsverfahren. In der Vergangenheit dauerten die Genehmigungsverfahren für Windparkprojekte oftmals doppelt so lang wie in Deutschland, zogen sich über Jahre hinweg und verteuerten so die Projekte. Investoren achten daher besonders darauf, dass für mögliche Windparkinvestitionen alle Genehmigungen vorliegen.

Quellen: Deutsch-französisches Büro für erneuerbare Energien, Badische Zeitung, IWR, Grüne Sachwerte e.K.

 

Windkraft bringt Frankreich langfristige Jobperspektiven

Der Ausbau der Windkraft kann Frankreich, neben der positiven Auswirkungen auf das Klima, auch zusätzliche Perspektiven für den schwächelnden Arbeitsmarkt bringen: Ein Umschwenken auf mehr Erneuerbare Energien könnte helfen, mehr Franzosen wieder neue und zukunftsfähige Arbeitsplätze anzubieten. 2011 arbeiteten in Deutschland knapp 382 000 Menschen in der EE-Branche - in Frankreich hingegen weniger als 100 000. In dem Land, das seit Jahren dramatisch hohe Arbeitslosenzahlen aufweist, könnte ein Ausbau der Windkraft vielen Menschen neue Perspektiven ermöglichen.