Die Geschichte der "Stromrebellen" - Elektrizitätswerke Schönau

EWS Schönau - sauberer Ökostrom für Grüne Sachwerte e.K.

3. Dez. 2013: Preis für Ökostrom von EWS Schönau bleibt unverändert für 2014
13. Aug. 2013: Deutscher Umweltpreis 2013 für Ursula Sladek, EWS Schönau


Als sich am 26. April 1986 in Tschernobyl der schwerste Atomunfall der Geschichte ereignet hatte, zog in den folgenden Tagen eine radioaktive Wolke auch über Süddeutschland hinweg. In Schönau hinterließ sie Spuren: Die Initiative "Eltern für atomfreie Zukunft e.V." wurde gegründet. Die Bürger wollten nicht länger warten, bis Politiker und Energieversorger etwas unternehmen würden. Sie wurden selbst aktiv, hielten Stromsparberatungen ab, veröffentlichten Energiespartipps und schrieben Stromsparwettbewerbe aus.

Bürger investieren in saubere Stromerzeugung

In einem zweiten Schritt gründeten Schönauer Bürger eine kleine Firma, um die Produktion von umweltfreundlichem Strom zu fördern. Sie reaktivierten kleine Wasserkraftwerke und unterstützten engagierte Bürger, die in Blockheizkraftwerke und Photovoltaikanlagen investierten. Der örtliche Netzbetreiber behinderte die Aktivitäten der Bürger, egal ob Energieeinsparung oder die Förderung ökologischer Anlagen. Stattdessen bot er 1990 der Stadt Schönau 100 000 Mark zusätzliche Konzessionsabgabe, wenn diese den Konzessionsvertrag frühzeitig für weitere 20 Jahre verlängert – ohne die ökologischen Aktivitäten der Bürger in irgendeiner Weise zu berücksichtigen. Die Bürgerinitiativen boten daraufhin die gleiche Summe, wenn die Stadt den Vertrag nicht verlängern würde.

Schönauer Energie-Initiativen gewinnen Bürgerentscheid und bereiten Basis für eine bürgereigene und ökologische Energieversorgung

Mit der Mehrheit von einer Stimme entschied der Gemeinderat, das ungewöhnliche Angebot der Bürgerinitiative abzulehnen und den Konzessionsvertrag mit dem bisherigen Energieversorger KWR sofort zu verlängern. Aber die engagierten Bürger gaben nicht auf und leiteten einen Bürgerentscheid in die Wege. Es entbrannte ein harter Wahlkampf, die Fürsprecher und Gegner kämpften um jede Stimme. Die Bürgerinitiative gewann die Abstimmung im Oktober 1991 mit 56 Prozent der Stimmen. Der Konzessionsvertrag des bisherigen Energieversorgers wurde nicht frühzeitig verlängert.

1994: "Stromrebellen" gründen eigenes Elektrizitätswerk, um selbst die Stromversorgung zu übernehmen

Im Januar 1994 wurden, obwohl längst nicht alle Hürden überwunden waren, die Elektrizitätswerke Schönau GmbH (EWS) gegründet, an der über 650 Bürger beteiligt waren. Am 20. November 1995 vergab der Stadtrat dann auch tatsächlich die Konzession für die Stromversorgung an die EWS.

1996: EWS gewinnt weiteres Bürgerbegehren

Nach dem Gemeinderatsvotum zugunsten der EWS witterten die Gegner ihre letzte Chance und leiteten einen zweiten Bürgerentscheid in die Wege. Dieser sollte bewirken, dass die Konzessionsvergabe der Stadt an die EWS widerrufen wird. Der Wahlkampf wurde noch heftiger geführt als 1991, die Gegner sahen wieder einmal die Lichter ausgehen. Und wieder siegten die “Stromrebellen”. Bei einer Rekordwahlbeteiligung von fast 85 Prozent wurden die EWS mit einer Mehrheit von 52,4 Prozent zum neuen Schönauer Stromversorger gewählt. Die Gegner waren tief getroffen und prophezeiten ein “unkalkulierbares Risiko für die Stadt Schönau, die Bevölkerung und insbesondere die Industrie”.

Übernahme des Schönauer Stromnetzes - EWS sollen über  8,7 Mio. Mark für Stromnetz an bisherigen Energieversorger bezahlen

Für den Netzkauf war das ein “Phantasiepreis” - im November 1996 musste der Stromversorger eingestehen, bislang mit einem viel zu hohen Netzpreis gepokert zu haben. Statt 8,7 Mio. sei das Netz nur 6,5 Mio. Mark wert.  “Peinlich, peinlich”, kommentierte daraufhin die “Badische Zeitung”. Zwar fanden die Netzkäufer, dass auch die 6,5 Mio. noch zu hoch seien, doch entsprechend ihrer Strategie "kaufen und dann klagen" bezahlten sie den überhöhten Kaufpreis. Vier Millionen DM stammten aus Beteiligungen und dem "Schönauer Energiefonds".

Den überhöhten Teil des Netzkaufpreises konnten sie 1996 über die spektakuläre bundesweite Spendenkampagne „Ich bin ein Störfall“ finanzieren: Man kam auf die Idee, die größten deutschen Werbeagenturen zu bitten, eine kostenlose Spendenkampagne für die Schönauer Energie-Initiativen zu entwickeln. Und tatsächlich sagten mehrere Agenturen zu. Die Energie-Initiativen entschieden sich für die "Störfall-Kampagne". Die Kampagne wurde bundesweit gestartet und hatte überwältigenden Erfolg. Die Stromrebellen erlebten unglaubliche Dinge: Umweltschutzverbände riefen zu Spenden auf, Zeitungen veröffentlichten kostenlos Anzeigen, bei Privatfeiern wurde zu Gunsten von Spenden auf Geschenke verzichtet. Es brauchte nur wenige Monate, um das zusätzlich benötigte Geld zusammen zu bekommen.

1998: Netzbetrieb beginnt - die EWS betreiben das Stromnetz – Liberalisierung des Strommarkts

Von Anfang an boten die EWS ihren Kunden energiesparfördernde Tarife und gute Vergütungen für ökologische Stromerzeugung, vor allem aus Sonnenenergie. Die größte solare Gemeinschaftsanlage wurde dabei auf der evangelischen Kirche errichtet.  Im gleichen Jahr wurde nach Vorgaben aus Brüssel der Strommarkt liberalisiert, und von nun an hatte jeder Stromkunde in Deutschland das Recht, selbst zu entscheiden woher er seinen Strom bezieht. Immer mehr Menschen entscheiden sich seitdem für eine atomstromlose und ökologische Energieversorgung. Viele Mitstreiter aus Bürgerbewegungszeiten wechselten sofort zu den "Stromrebellen" aus Schönau, die von Anfang an auch bundesweit Ökostrom anboten. Mittlerweile sind zehntausende von Haushalten und hunderte von kleinen und großen Unternehmen zu den EWS gewechselt. Auch Grüne Sachwerte arbeitet von Beginn an mit "sauberem Strom aus Schönau", der nach dem Bürowechsel 2017 nun das Privathaus und das Home Office der Geschäftsführung versorgt.     

Quelle: EWS Schönau

 

Grüne Sachwerte bezieht Ökostrom von EWS Schönau

Warum Ökostrom von EWS Schönau? Nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 haben Schönauer Bürger und engagierte Mitstreiter beschlossen, für eine atomstromlose und nachhaltige Energieversorgung einzutreten. Neun Jahre und zwei Bürgerentscheide später konnten sie das örtliche Stromnetz von einem Atomkraftwerksbetreiber freikaufen. Seitdem betreiben die bürgereigenen Elektrizitätswerke Schönau (EWS) das Ortsnetz ökologisch vorbildlich und wirtschaftlich erfolgreich. Bundesweit beziehen rund 135.000 Kunden (12/2012) den Strom der EWS Schönau.

Für Grüne Sachwerte sind die Schönauer Stromrebellen sowohl Vorbild wie auch Vordenker in Sachen Bürgerbeteiligung, Mut zum Handeln und dem Antreiben der sozial-ökologischen Energiewende.

Weitere Informationen und sauberer Strom: EWS Schönau.

 

100 gute Gründe gegen Atomkraft

100 gute Gründe gegen Atomkraft

Hier finden Sie „100 Gute Gründe gegen Atomkraft“  -  eine Initiative der EWS Schönau.